Der vom DGB vorgeschlagene Zukunftsfonds Ausbildung verdient eine ernsthafte Prüfung. Betriebe, die ausbilden, übernehmen Kosten und Verantwortung, während auch andere Unternehmen von qualifizierten Fachkräften profitieren. Eine gemeinsame Finanzierung kann deshalb sinnvoll sein. Ob sie jungen Menschen tatsächlich bessere Chancen eröffnet, hängt jedoch von ihrer Ausgestaltung ab.

Der DGB schlägt grundsätzlich eine Umlage von 0,5 Prozent der Bruttolohnsumme vor; ausbildende Betriebe sollen jährlich 5.000 Euro je Auszubildendem erhalten. Das kann Ausbildung erleichtern. Die Zahlung allein belegt aber noch nicht, dass zusätzliche Plätze entstehen oder mehr Jugendliche einen Abschluss erreichen. Zudem muss geklärt werden, wie Betriebe behandelt werden, die ausbilden wollen, ihre angebotenen Plätze jedoch nicht besetzen können.

Für Solingen zeigt die Augustbilanz 2026 der Arbeitsagentur die Dringlichkeit: Noch 238 junge Menschen suchten eine Ausbildung oder ein duales Studium, gleichzeitig waren 88 gemeldete Plätze frei. Insgesamt wurden 20 Prozent weniger Plätze gemeldet als im Vorjahreszeitraum. Diese Meldedaten bilden nicht den gesamten Markt ab. Sie sprechen aber dafür, sowohl das Angebot zu stärken als auch Jugendliche und Betriebe besser zusammenzubringen.

Die Arbeitgeber verweisen auf fehlende Ausbildungsreife. Schwierigkeiten beim Lesen, Rechnen oder mit der deutschen Sprache müssen ernst genommen werden. Als pauschale Erklärung greift das jedoch zu kurz: Unbesetzte Stellen beweisen nicht, dass die suchenden Jugendlichen ungeeignet sind. Berufswünsche, Anforderungen und Erreichbarkeit können ebenfalls eine Rolle spielen. Umgekehrt beseitigt eine Umlage allein solche Hindernisse nicht.

Der DGB sieht erfreulicherweise auch Prüfungsvorbereitung und Sprachförderung vor. Nach seinem Vorschlag sollen dafür allerdings die nach den Zahlungen an Betriebe verbleibenden Mittel eingesetzt werden. Gerade diese Unterstützung braucht aus meiner Sicht eine verlässliche Finanzierung. Für Solingen sollten die bestehende Jugendberufsagentur, Schulen, Berufskollegs, Kammern und Betriebe ihre Zusammenarbeit darauf ausrichten: Praktika mit einer konkreten Anschlussperspektive, gezielte Förderung und feste Ansprechpartner während der Ausbildung. Kleine Betriebe könnten zudem durch gemeinsame Ausbildung im Verbund entlastet werden.

Aus bildungsökonomischer Sicht sollte der Erfolg eines Fonds daran gemessen werden, ob zusätzliche Ausbildungsverhältnisse entstehen und mehr junge Menschen ihre Ausbildung erfolgreich abschließen. Dazu gehören eine transparente Auswertung und möglichst wenig Verwaltungsaufwand. Der DGB setzt einen wichtigen Impuls. Für Solingen wird daraus erst dann ein Fortschritt, wenn Finanzierung und konkrete Begleitung zusammenwirken.

Wolfgang Sinkwitz
Bildungsökonom

Quellen

DGB NRW, 13. Oktober 2026: Mehr Ausbildungsplätze schaffen – Vorschlag für einen Zukunftsfonds Ausbildung

DGB NRW: Zukunftsfonds Ausbildung – Konzept einschließlich Sprachförderung und Prüfungsvorbereitung

Agentur für Arbeit Solingen-Wuppertal, 28. August 2026: Ausbildungsmarkt im August – Zahlen für Solingen

unternehmer nrw, 13. Oktober 2026: Ausbildungsfonds geht an den Problemen des Ausbildungsmarktes vorbei – Stellungnahme der Arbeitgeber