Von Wolfgang Sinkwitz · Bildungsökonom

Die Solinger Wirtschaftsförderung will näher an die Unternehmen rücken. Als ehemaliger Unternehmer begrüße ich dieses Ziel. Ob der Umbau gelingt, zeigt sich für mich im Alltag: Weiß ein Betrieb, wer sein Anliegen übernimmt? Erfährt er zügig, wie es weitergeht? Und bleibt jemand erreichbar, wenn mehrere Ämter beteiligt sind?

Drei Geschäftsführer brauchen klare Zuständigkeiten

Das Solinger Tageblatt berichtet, dass Phil Derichs, Achim Willke und Stadtkämmerer Daniel Wieneke die Wirtschaftsförderung seit März gemeinsam leiten. Derichs kümmert sich unter anderem um Gründungen, Willke um Flächen und Unternehmensanliegen. Wieneke soll die Zusammenarbeit mit der Stadtverwaltung erleichtern. Diese Aufgabenteilung kann sinnvoll sein. Entscheidend ist, dass ein Betrieb bei einem konkreten Anliegen eine feste Ansprechperson hat, die auch bei Rückfragen aus den Ämtern den Überblick behält. Gerade kleinere Betriebe haben im Alltag wenig Zeit, sich durch die Verwaltung zu telefonieren. (1, 2)

Oberbürgermeister Daniel Flemm verspricht mehr Tempo. Dafür wünsche ich mir einen einfachen Servicestandard: Wer sich meldet, bekommt innerhalb einer veröffentlichten Frist eine Rückmeldung mit einer zuständigen Person und einem nächsten Schritt. Bei einer Genehmigung kann das eine Liste fehlender Unterlagen oder eine Auskunft zum Bearbeitungsstand sein. (1)

Erfolg lässt sich nachvollziehbar machen

Die Geschäftsführung führt die Wiederbelebung des früheren Gedore-Standorts als Erfolgssignal an. Laut Bericht entwickelt und vermietet ein privater Investor dort Flächen. Im Jahresrückblick 2025 schildert Solingen.Business, wie sie der Firma T & K Werbetechnik dort eine Mietfläche vermittelt hat. Mich interessiert, welchen Beitrag die Wirtschaftsförderung darüber hinaus bei der Entwicklung des Standorts geleistet hat, etwa bei der Abstimmung mit Ämtern oder bei der Vermittlung weiterer Flächen. Auch ein Brachflächenkataster hat für Unternehmen vor allem dann einen Wert, wenn sie erfahren, welche Flächen tatsächlich verfügbar sind, welche Nutzung möglich ist und an wen sie sich wenden können. (1, 3)

Der Jahresrückblick 2025 stellt ausgewählte Projekte vor. Ich wünsche mir, dass Solingen.Business den Rückblick künftig um Kennzahlen zur Bearbeitung von Unternehmensanliegen ergänzt. Wie schnell erhalten Betriebe eine erste Rückmeldung? Wie viele Vorhaben hat die Wirtschaftsförderung begleitet, und welche Fortschritte wurden dabei erreicht? Wo dauern Verfahren weiterhin besonders lange? Gerade nach der Vertrauenskrise würde ein solcher Bericht sichtbar machen, welche Zusagen eingelöst wurden und wo Stadt und Wirtschaftsförderung nachbessern müssen. (1, 3)

Ausbildung gehört zur Standortpolitik

Aus bildungsökonomischer Sicht gehört für mich auch die Fachkräftesicherung in diese Bilanz. Die Wirtschaftsförderung könnte Betriebe, Schulen und Kammern gezielt zusammenbringen. Das kann ganz praktisch beginnen: Ein kleiner Betrieb, der erstmals Praktikumsplätze anbieten oder ausbilden möchte, bekommt einen Kontakt zur passenden Schule oder zur Ausbildungsberatung der zuständigen Kammer. So wird aus der angekündigten Vernetzung eine konkrete Hilfe für Betriebe und Jugendliche in Solingen. (4, 5)

Quellen

  1. Björn Boch und Timo Lemmer, Solinger Tageblatt. Neu organisiert: Wie die Wirtschaftsförderung wieder näher an die Unternehmen rücken will
  2. Solingen.Business. Impressum mit den Namen der drei Geschäftsführer
  3. Solingen.Business. Jahresrückblick 2025 mit dem Beispiel T & K Werbetechnik, öffentlicher LinkedIn-Beitrag.
  4. Bergische IHK. Ausbildungsberatung für Betriebe
  5. Handwerkskammer Düsseldorf. Kontakt zur Ausbildungsberatung